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Ja, geht denn das?

Zärtlichkeit, Zuwendung und Sexualität im Pflegealltag

Autorin: Brigitta Schröder
Verlag: Verlag an der Ruhr

Inhalt

Ja, geht denn das?* ist nach den Büchern „Blickrichtungswechsel“ und „Blickrichtungswechsel leben“ ein neues Buch von Brigitta Schröder, das Begleitern von demenziell veränderten Menschen im Umgang mit den Betroffenen unterstützen kann.
In diesem Buch geht es um die Themen Sexualität und Zuwendung im (Pflege-)Alltag mit Menschen mit Demenz.
„Ja, geht denn das?“ ist im Verlag ander Ruhr erschienen und in folgende Kapitel gegliedert: 1. Blickrichtungswechsel leben, 2. Der Weg zu sich selbst, 3. Zuwendung und Zärtlichkeit, 4. Erotik und Intimität, 5. Sexuelle Annäherungsversuche, 6. Formen der Entlastung und 7. Nachklang.

Höhen und Tiefen

Menschen, die an einer Form der Demenz erkrankt sind, werden in ihrem Erleben von ihren Gefühlen und Emotionen geleitet und streben danach, ihre grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen. Bei Vielen kommt es im Verlauf der Erkrankung zu einem veränderten, enthemmten Sexualverhalten. Mitarbeitern in der Altenpflege ist dies nichts neues, vielmehr werden sie im Alltag regelmäßig mit anzüglichen Äußerungen, Annäherungsversuchen oder auch Berührungen konfrontiert. Diese Situationen sind für Pflege- und Betreuungspersonen belastend, und, je nach Reaktion, auch für die an Demenz erkrankten selbst, da sie oft zurückgewiesen werden und die ihnen entgegengebrachten Verhaltensweisen nicht mehr verstehen können.
Brigitta Schröders Ansatz ist, das Verhalten und die Bedürfnisse von demenziell veränderten Menschen zu verstehen und ohne Bewertung akzeptieren zu lernen. Natürlich nicht ohne die eigenen Grenzen zu wahren und sich selbst immer wieder zu reflektieren. Im Zusammenhang mit sexuellen Annäherungsversuchen oder Übergriffen ist das für die Betroffenen oft nicht leicht. Brigitta Schröder versucht in ihrem Buch Möglichkeiten und Wege aufzuzeichnen, in denen Menschen mit Demenz ihre Bedürfnisse nach Zuneigung, Zärtlickkeit und Sexualität stillen können und Pflegende und Angehörige entlastet werden. Dabei stehen neben den Betroffenen selbst auch die Angehörigen und Pflegenden bzw. Betreuenden mit ihrer eigenen Lebensgeschichte im Mittelpunkt. Das Buch beinhaltet Fragen zur Selbstreflektion, viele Fallbeispiele und Vorschläge für Sichtweisen, mit denen man die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann. Für Menschen, die in stationären Pflegeeinrichtungen tätig sind, wird zusätzlich das Augenmerk auf sexuelle Beziehungen zwischen den dort lebenden Senioren selbst gelegt.
Im Anhang findet man Adressen von Beratungs- und Informationsstellen, die rund um die Themen Demenz, Sexualassistenz und Sexualpädagogik informieren. Das Buch im Taschenbuchformat kostet zur Zeit 14,99 €.

Fazit

Menschen mit Demenz haben den Wunsch nach körperlicher Nähe, Zuwendung und Zärtlichkeiten. Diesem Wunsch Ausdruck zu verleihen sind sie aber, so wie wir es kennen und gelernt haben, aufgrund ihrer kognitiven Einschränkungen nicht mehr im Stande. Brigitta Schröder nähert sich in ihrem neuen Buch „Ja geht denn das?“ dem Thema Sexualität in Pflegeheimen an – seitens der Betroffenen selbst, der Pflegenden und auch verunsicherten Angehörigen. Sie wünscht sich eine akzeptierende, wertschätzende und wertfreie Haltung gegenüber demenziell veränderten Menschen und zeigt Möglichkeiten auf, wie der Wunsch nach körperlicher Nähe und Zuwendung professionell und für alle Seiten weniger belastend in den Pflegealltag integriert werden kann.

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Die Bücher „Blickrichtungswechsel. Lernen mit und von Menschen mit Demenz“ und „Menschen mit Demenz achtsam begleiten. Blickrichtungswechsel leben“ haben wir Ihnen bereits auf Mal-alt-werden.de vorgestellt. Und auch zu einem Interview haben wir uns mit Brigitta Schröder getroffen. Das ganze Gespräch können Sie sich hier anschauen.

Blickrichtungswechsel

Im Gespräch mit Brigitta Schröder

Hallo Frau Schröder, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Ich bin Schweizerin und gehöre zur Diakonissen Schwesternsternschaft Neumünster Zollikerberg / Zürich. Ich war lange Zeit im Gesundheitswesen im Management tätig, bin Supervisorin DGSv und Lebens- und Trauerbegleiterin.

Ihr erstes Buch heißt Blickrichtungswechsel - Lernen mit und von Menschen mit Demenz*. Was verbirgt sich hinter dem Titel?

Der Titel ist sicher für viele eine Herausforderung. Häufig taucht die Frage auf: „Von Menschen mit Demenz kann man doch nichts lernen.“ Sie werden oft als eine Belastung wahrgenommen. Ein solcher Weg ist für alle Beteiligten sehr schwer. Nun ist es wichtig, diese Situation nicht noch schwerer zu machen, sondern Leichtigkeit einzuüben. Das erste Buch ist geschrieben aus der Praxis für die Praxis. Es ist wie ein Lesebuch oder eine Landkarte und beinhaltet viele praktische Anregungen.

Der Titel Ihres zweiten Buchs ist Menschen mit Demenz achtsam begleiten Blickrichtungswechsel leben*. Welche Rolle spielt Achtsamkeit für unser Leben und für Menschen mit Demenz?

Die zweite Veröffentlichung hat den Schwerpunkt, eine wertfreie Haltung zu fördern. Die zentrale Aussage ist: „Wer achtsam mit sich selber ist, wird achtsamer mit anderen insbesondere mit Menschen mit Demenz.“ Das Buch ist in drei Bereiche aufgeteilt. Das Basismodul soll unsere oft verkümmerte, emotionale Ebene beleben. Das Vertiefungsmodul unterstützt, sich mit existentiellen Fragen, die oft tabubehaftet sind, vertraut zu machen, um entsprechend zu handeln. Die im Anhang enthaltenen Materialien bieten Handwerkszeug, um die eigene Selbstreflektion zu stärken.
Die Checklisten können beliebig ausgedruckt und den eigenen Bedürfnissen angepasst werden.

Sie begleiten Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Welche Bedeutung haben Religion und Spiritualität für die Menschen, die Sie begleiten?

Menschen mit Demenz haben Bedürfnisse wie wir alle. Sie benötigen leibliche, seelische, geistige, soziale, kulturelle, und spirituelle Nahrung. Ich gestalte deshalb immer wieder „Sternstunden“ unter Mitwirkung eines Geistlichen, sowie Sinnliche, ökumenische Gottesdienste.

In ihrem Anliegen, den Blickrichtungswechsel weiterzutragen geben Sie auch Fortbildungen zu diesem Thema. Welche Inhalte erwarten die Teilnehmer?

Das ist keine Fortbildung im üblichen Sinn, vielmehr sind wir gemeinsam auf Augenhöhe miteinander auf dem Weg. Daraus entsteht ein Geben und Nehmen. Sich selber lieben zu lernen, ist ein weiterer Schwerpunkt. Den Schlüssel zur eigenen Schatzkammer aufzuspüren, ist ebenfalls ein Impuls. Die eigenen individuellen Kraftquellen können dadurch immer wieder neu entdeckt werden. (Mehr zu den Veranstaltungen mit Brigitta Schröder finden Sie auf ihrer Internetseite www.demenz-entdecken.de)

Sie beschreiben den „Löwenzahn“ als Ihren Lebensbegleiter und ein Symbol für Ihren Lebensweg. Was macht den Löwenzahn für Sie so einzigartig und warum ist gerade diese Blume ein Symbol für Ihren Lebensweg?

Schon als Kleinkind hat mich diese Blume fasziniert. Ich habe früher viele phantasievolle Spiele ausgeheckt. Jetzt habe ich von dieser Pflanze eine anschauliche Power Point Präsentation gestaltet. In dieser Präsentation wird der Lebensweg des Löwenzahns beschrieben und somit das Werden- Sein – Vergehen dargestellt. Nach dem Erblühen wird sichtbar, wie der Löwenzahn los lassen kann. Die Blütenblätter fallen gebündelt ab. Darauf entsteht wieder eine Knospe, die weiß erblüht. Auch das letzte Bild, der verdorrte Löwenzahn, ist noch ein Kunstwerk. Ich lerne daraus, dass jede Lebensphase wichtig und wertvoll ist. Der Löwenzahn ist mein bester Lehrmeister.

Können Sie uns vielleicht eine kleine Geschichte erzählen, die verdeutlicht, was Sie mit Ihrer Arbeit erreichen können?

Ich wurde gebeten in der „Sternstunde“, die 4 x im Jahr in einer Institution angeboten wird, den Text „Glaube, Hoffnung, Liebe“ darzustellen. Ich erzählte einer Bewohnerin mit Demenz, dass ich an meine Grenze stoße und nicht weiß, wie ich den Glauben darstellen soll. Sie antwortet: „Das ist schwer.“ Ich stimme ihr zu. Nach kurzer Zeit sagte sie: „Das ist doch wie die Hände von Albrecht Dürer.“ Wir nutzten diese Anregung, gestalteten ein Szene und schenkten zum Abschluss jedem die Kunstkarte der „Betenden Hände“ von Albrecht Dürer.
Menschen mit Demenz sind wie Seismographen. Sie spüren bedeutend mehr als wir. Sie nehmen die Atmosphäre und Haltung der Begleitenden sehr feinfühlig wahr.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?

Mein Wunsch ist, dass Menschen mit Demenz nicht mehr stigmatisiert werden, sondern Teilhabe und Raum für ihr „Sosein“ in unserer Gesellschaft erhalten, dass ihre Kompetenzen wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Weiterhin wünsche ich mir, dass mein Anliegen gehört, verbreitet und gelebt wird.

Herzlichen Dank, Frau Schröder!!!

Zur Buchvorstellung „Blickrichtungswechsel – Lernen mit und von Menschen mit Demenz“
Zur Buchvorstellung „Menschen mit Demenz achtsam begleiten – Blickrichtungswechsel leben“
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Kein Sex im Altenheim. Körperlichkeit und Sexualität in der Altenhilfe.

Autor: Ruth van der Vight-Klußmann
Verlag: Schlütersche

Inhalt

(Kein) Sex im Altenheim?: Körperlichkeit und Sexualität in der Altenhilfe. Mit Praxisleitfaden*. Das Buch gliedert sich in 11 Bereiche:

Sexualität im Alter-Fragen?,

Was ist Sexualität,

Sexualität im Alter-Bestandsaufnahme,

Gesellschaftliche Perspektive,

Fokus 1: Einrichtungen der Altenpflegehilfe,

Fokus 2: Altenpflege- und Betreuungskräfte,

Exkurs: Exemplarische Darstellung zweier Konzepte,

Ansätze-Schritte-Aufbrüche-Grenzen,

Praxisleitfaden, Ethische Grenzen!?,

Ergebnis-Ausblick-offene Fragen.

Höhen und Tiefen

Für Einrichtungen der Altenhilfe kann der in dem Buch enthaltene Praxisleitfaden eine wertvolle Arbeitshilfe für die Praxis darstellen. Alle Punkte des Praxisleitfadens werden ausführlich beleuchtet und erläutert.

Viele in dem Buch angesprochene Probleme und viele der Beispiele, kenne ich selbst so (oder so ähnlich) aus der eigenen Praxis. Interessant und teiweise neu waren für mich daher die Ansätze zum Umgang mit den Problemen. Die ausführliche Darstellung der Sexualassistenz und der Sexualbegleitung greife ich auch gerne in dem Seminar „Dem Hahn im Korb gerecht werden! Beschäftigungsangebote für Männer (mit Demenz) gestalten.“ (Zum Beispiel am 25.09.2014 in Bremen und am 15.11.2014 in Berlin).

Als besondere Bereicherung des Buches habe ich die Praxisbeispiele empfunden. Auch die Begleitung durch eine Sexualassistentin wird in einem der Praxisbeispiele verdeutlicht. Diese Beispiele tragen dazu bei den Situationen das Unwirkliche zu nehmen, der theoretische Charakter wird auf die Praxisebene geholt.

Fazit

Ein gutes und umfassendes Buch zu den Themen Körperlichkeit und Sexualität in der Altenpflege. Sexualität gilt in manchen Einrichtungen der Altenhilfe immer noch als Tabu-Thema (ich möchte hier nicht „viele“ schreiben, weil ich glaube, dass gerade ein Umdenken stattfindet 😉 ). Dieses Buch hilft, sich mit der schwierigen Thematik auseinander zu setzen.

 

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