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Soziologie und Alter


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Soziologie bezieht sich immer auf das menschliche Handeln und die Auswirkungen dieses Handelns auf die Gesellschaft. Das Individuum steht dabei nicht im Zentrum des Interesses, sondern die Wirkung von kollektiven Prozessen auf gesellschaftliche Strukturen. Auch bei dem Thema: „Alter“ spielen die individuellen körperlichen und psychischen Veränderungsprozesse kaum eine Rolle. Vielmehr wird Alter als soziale Konstruktion angesehen. Ein Modell für soziologische Erklärungen hat Hartmut Esser entworfen.

Modell soziologischer Erklärungen

Das Modell der soziologischen Erklärungen basiert auf drei aufeinander folgenden „Logiken“, die Logik der Situation, die Logik der Selektion und die Logik der Aggregation. Die drei Logiken erklären den Prozess, in welchem sich individuelles Handeln mit den gesellschaftlichen Strukturen befindet. Auf ihnen fußt die Soziologie.

Logik der Situation

Bei der Logik der Situation befinden wir uns auf der Makroebene. Es geht um die allgemeine Situation, in welcher sich der Handelnde befindet. Welche Handlungsmöglichkeiten hat er? Wie werden diese Handlungsmöglichkeiten von der Umwelt bewertet? Welche Regeln oder Gesetze gibt es? Was für Konsequenzen können erwartet werden? Ein Beispiel: Eine Sekretärin ist gerade sechzig Jahre alt geworden und überlegt frühzeitig in den Ruhestand zu gehen. Wichtige Aspekte auf der Makroebene sind ihre finanziellen Möglichkeiten, die Möglichkeiten des Rentensystems, und die Unterstützung der Entscheidung von Freunden und Verwandten.



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Logik der Selektion

Bei der Logik der Selektion befinden wir uns auf der Mikroebene, also bei dem Handelnden selber. Aus den Möglichkeiten, die sich dem Individuum bieten, wählt er eine Handlungsalternative aus. Grundlage für die Entscheidung bildet das Abwägen von Kosten und Nutzen. Ziel ist eine Nutzenmaximierung. Beispiel: Die Sekretärin mochte ihren Beruf nie besonders. Finanziell muss sie zwar einige Einschränkungen hinnehmen, durch das Gehalt ihres Mannes ist Sie aber ganz gut abgesichert. Sie entscheidet sich für die Frühverrentung.

Logik der Aggregation

In der Logik der Aggregation befinden wir uns wieder auf der Makroebene. Das handelnde Individuum ist eine Vorbedingung für kollektive Handlungen. Die Gesellschaft reagiert auf das Handeln von Individuen. Beispiel: Wenn sich viele Menschen, so wie unsere Sekräterin, für eine Frühverrentung entscheiden, können institutionelle oder rechtliche Rahmenbedingungen notwendig werden. Wenn zu viele Menschen die Möglichkeit einer Frühverrentung in Anspruch nehmen, muss diese eventuell abgeschafft oder erschwert werden (die finanziellen Einschränkungen könnten zum Beispiel noch gesteigert werden). Diese geänderten Rahmenbedingungen haben dann wieder Einfluss auf die Entscheidungen von Individuen. Man könnte von einer Endlosschleife der drei Logiken sprechen.

Quellen:

Esser, Hartmut (1999 ): Soziologie. Allgemeine Grundlagen.3. Frankfurt/Main: Campus.
Schroeter, Klaus (2008): „Alter(n)“. In: Willems, Herbert (Hg.): Lehr(er)buch Soziologie. Eine Einführung für die pädagogische Ausbildung und Berufspraxis. Wiesbaden:VS






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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften".

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