Wenn man über die Kompetenzen und Fähigkeiten nachdenkt, die Betreuungskräfte für ihren Arbeitsalltag in der sozialen Betreuung und in der Arbeit mit Menschen mit Demenz mitbringen müssen, dann fallen einem unzählige ein. Belastbarkeit, Einfühlungsvermögen, Ideenreichtum, Flexibilität und viele andere gehören zu dieser anspruchsvollen Tätigkeit dazu. Als ich darüber nachgedacht habe, erschien mir eine Fähigkeit allerdings als besonders wichtig. Allerdings nicht nur für Betreuungskräfte 😉 .
Die wichtigste Fähigkeit
Sie machen Fehler! Jeden Tag! Und nicht nur Sie. Ich auch. Menschen sind so. Fehler passieren auch im Umgang mit Menschen mit Demenz. Und wenn keine „Fehler“ passieren, dann läuft vielleicht mal etwas „nicht ganz optimal“.
Jetzt kenne ich Menschen, die das verneinen. Menschen, die behaupten, dass bei ihnen immer alles „super“ war. Betreuungskräfte, die sagen, sie hätten immer die richtigen Worte gefunden, immer das passende Angebot gehabt und immer einen Weg gewusst, um Konflikte zu lösen.
Ich glaube diesen Betreuungskräften nicht. Weil das Leben nicht so ist. Weil Menschen nicht so funktionieren. Und weil es auch irgendwie schade wäre, wenn keine Fehler passieren würden. Denn dann könnte man nicht daraus lernen.
Andere Betreuungskräfte, die ich kenne, sind sich ihrer Fehler ständig bewusst. Teilweise lähmt sie der Gedanke, „etwas falsch zu machen“, und gemachte Fehler können sie sich nur schwer verzeihen.
Beide Wege sind in der Praxis schwierig. Daher ist die wichtigste Fähigkeit – oder zumindest eine der wichtigsten – für Betreuungskräfte die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Selbstreflexion heißt, Fehler oder Dinge, die besser laufen könnten, zu erkennen und daraus zu lernen. Es heißt, hinzuschauen, ohne sich in Selbstvorwürfen zu verlieren. Ein Blick nach hinten, der den Blick nach vorne nicht verstellt.
Ohne Selbstverliebtheit netter zu sich selbst sein
Wie bei fast allen Dingen, die in der Betreuung von Menschen mit Demenz wichtig sind, ist auch Selbstreflexion ein Balanceakt. Sie kann und sollte übrigens auch beinhalten, dass man etwas gut gemacht hat. Denn auch gute Dinge zu erkennen, ist eine Kunst.
Manchmal sind wir zu allen Menschen dieser Welt nett – außer zu uns selbst. Einen Weg zu finden, ohne Selbstverliebtheit freundlich mit sich selbst umzugehen, ist der nächste Balanceakt.
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