Was bedeutet Multimorbidität für den Betreuungsalltag?

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Für den Betreuungsalltag finden Sie hier eine verständliche Einordnung, was Multimorbidität bedeutet und wie Angebote in der Seniorenarbeit angepasst werden können.
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Multimorbidität bedeutet, dass ein Mensch mehrere Erkrankungen gleichzeitig hat. Im höheren Alter kann das zum Beispiel eine Kombination aus Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Arthrose, Seh- oder Hörbeeinträchtigungen, Demenz, Depressionen oder chronischen Schmerzen sein. Für die Betreuung heißt das: Angebote müssen oft flexibler, kürzer und individueller gestaltet werden.
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Was Multimorbidität im Alltag verändert
Bei multimorbiden Seniorinnen und Senioren schwankt die Belastbarkeit häufig. Was an einem Tag gut gelingt, kann am nächsten Tag zu anstrengend sein. Müdigkeit, Schmerzen, Schwindel, Atemnot, Unruhe oder Konzentrationsprobleme können die Teilnahme an Angeboten beeinflussen. Deshalb ist es hilfreich, Aktivierungen nicht starr zu planen, sondern mit einfachen Varianten zu arbeiten.
- Kürzere Einheiten anbieten
Statt einer langen Aktivierung könne kurze Einheiten sinnvoller sein. Ein Lied, ein Bild als Gesprächsanlass, eine kleine Bewegungsübung oder eine kurze Erinnerungsfrage reichen oft aus. Viele Teilnehmende bleiben bei kürzeren Angeboten aufmerksamer und erleben weniger Überforderung. Gleichzeitig lassen sich solche Einheiten leichter an die jeweilige Tagesform anpassen. - Pausen bewusst einplanen
Menschen mit mehreren Erkrankungen brauchen häufig mehr Zeit. Eine Pause ist kein Abbruch, sondern Teil eines passenden Angebots. Wer zwischendurch durchatmen, etwas trinken oder einfach nur beobachten kann, nimmt häufig länger und entspannter an einer Aktivierung teil. Geplante Ruhephasen sind deshalb ebenso wichtig wie die eigentliche Beschäftigung. - Reize reduzieren
Laute Musik, viele Materialien oder schnelle Wechsel können überfordern. Eine ruhige Umgebung, klare Ansprache und wenige Gegenstände helfen bei der Orientierung. Gerade Menschen mit Demenz oder Hörbeeinträchtigungen profitieren von überschaubaren Situationen. Weniger Reize bedeuten oft mehr Sicherheit und bessere Beteiligungsmöglichkeiten. - Bewegung anpassen
Bewegungsangebote sollten immer im Sitzen möglich sein und unterschiedliche Leistungsstände berücksichtigen. Einfache Übungen für Arme, Hände, Schultern oder Füße wirken bereits aktivierend. Dabei geht es nicht um sportliche Leistung, sondern um Beweglichkeit, Körperwahrnehmung und Freude an der Bewegung. Kleine Erfolge motivieren mehr als anspruchsvolle Übungen. - Schmerzen und Tagesform beachten
Beobachten Sie sorgfältig: Wirkt jemand erschöpft? Verzieht die Person das Gesicht? Wird sie unruhig? Solche Hinweise sollten im Team weitergegeben werden. Schmerzen zeigen sich nicht immer durch direkte Aussagen, sondern häufig durch Verhalten oder Rückzug. Eine sensible Beobachtung hilft dabei, Angebote rechtzeitig anzupassen. - Erfolgserlebnisse ermöglichen
Angebote sollten so gestaltet sein, dass Teilnehmende etwas beitragen können. Das kann ein Wort, eine Erinnerung, eine kleine Bewegung oder das Auswählen eines Gegenstands sein. Wer erlebt, dass etwas gelingt, nimmt oft aktiver am Geschehen teil. Positive Erfahrungen stärken das Selbstwertgefühl und fördern die Motivation zur Teilnahme. - Sicherheit vor Aktivität stellen
Bei Schwindel, starker Unsicherheit, Atemnot oder plötzlicher Veränderung steht die Sicherheit im Vordergrund. Dann sollte die Pflege informiert und das Angebot angepasst oder beendet werden. Nicht jede geplante Aktivierung muss durchgeführt werden, wenn gesundheitliche Risiken bestehen. Eine sichere Umgebung schafft die Grundlage für jede Form von Teilhabe. - Biografie nutzen
Vertraute Themen erleichtern den Zugang. Hauswirtschaft, Musik, Handwerk, Garten, Feste oder frühere Berufe können trotz gesundheitlicher Einschränkungen Erinnerungen wecken. Selbst wenn körperliche Fähigkeiten nachlassen, bleiben Erfahrungen und Gefühle erhalten. Biografische Themen ermöglichen deshalb gelungene Begegnungen und Gespräche.
Was Betreuung leisten kann
Betreuung kann Multimorbidität nicht behandeln. Sie kann aber dazu beitragen, Lebensqualität, Orientierung, Teilhabe und Wohlbefinden zu unterstützen. Wichtig sind realistische Ziele. Es geht nicht darum, möglichst viel zu schaffen, sondern passende Momente zu ermöglichen.
Eine gute Betreuung beobachtet, passt sich an und arbeitet eng mit Pflege, Angehörigen und weiteren Fachkräften zusammen, sie orientiert sich zudem an der Biografie. Gerade bei mehreren Erkrankungen ist der Austausch im Team wichtig, damit Veränderungen wahrgenommen und Angebote sinnvoll abgestimmt werden.
Multimorbidität bedeutet nicht automatisch, dass Menschen an Aktivitäten nicht mehr teilnehmen können. Häufig braucht es lediglich andere Rahmenbedingungen, mehr Flexibilität und einen genaueren Blick auf individuelle Möglichkeiten. Kleine Anpassungen können einen großen Unterschied machen.
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