Tag der Deutschen Einheit: Behutsame Biografiearbeit

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Der Tag der Deutschen Einheit kann in der Seniorenarbeit wertvolle Gespräche eröffnen. Er berührt persönliche Erinnerungen, Familiengeschichten, politische Erfahrungen und sehr unterschiedliche Lebenswege. Wenn Sie das Thema Biografiearbeit fachlich vertiefen möchten, finden Sie in der Online-Fortbildung Biografiearbeit praxisnahe Grundlagen, Methoden und Anregungen für die Arbeit mit Seniorinnen und Senioren und Menschen mit Demenz.
Manche Teilnehmende verbinden mit dem 3. Oktober Freude, Hoffnung und Aufbruch. Andere denken an Unsicherheit oder Verluste. Gerade deshalb braucht Biografiearbeit zu diesem Thema eine klare, zugewandte und vorsichtige Gestaltung.
Warum der Tag der Deutschen Einheit sensibel begleitet werden sollte
Biografiearbeit lebt nicht davon, Ereignisse abzufragen. Sie lebt davon, Menschen Raum zu geben. Beim Thema Deutsche Einheit geht es nicht nur um geschichtliche Daten, sondern um gelebte Erfahrungen: Wohnorte, Arbeitswege, Besuche bei Verwandten, Veränderungen im Alltag und das Gefühl, Teil einer bestimmten Zeit gewesen zu sein.
Für Mitarbeitende in der Seniorenarbeit ist es hilfreich, die Einheit nicht als Geschichtsstunde zu planen. Besser eignet sich ein offenes Angebot, in dem Erinnerungen entstehen dürfen, aber nicht entstehen müssen. So bleiben Teilnehmende geschützt, die nicht erzählen möchten oder deren Erinnerungen belastend sind.
Offene Fragen für behutsame Biografiearbeit
Formulieren Sie Fragen so, dass die Teilnehmenden selbst entscheiden können, wie persönlich sie antworten. Geeignet sind erzählfördernde Einstiege, die auch kurze Antworten zulassen:
- Welche Bilder verbinden Sie mit dem Herbst 1989 oder mit dem 3. Oktober?
- Welche Gespräche wurden damals in Ihrer Familie, am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis geführt?
- Welche Musik, welche Fernsehsendungen oder welche Zeitungsbilder fallen Ihnen zu dieser Zeit ein?
- Was hat sich in Ihrem Alltag durch die deutsche Einheit verändert?
- Welche Begegnung mit Menschen aus einem anderen Teil Deutschlands ist Ihnen in Erinnerung geblieben?
- Welche Hoffnungen, Sorgen oder Fragen hatten Sie damals?
Wenn Teilnehmende mit Demenz dabei sind, können Gegenstände helfen: eine Landkarte, alte Briefmarken oder Fotos von bekannten Orten. Legen Sie nur wenige Materialien bereit und lassen Sie Zeit. Eine Erinnerung an einen Bahnhof oder einen Besuch kann für ein Gespräch ausreichen.
Eine kleine Aktivierungsidee für die Runde
Beginnen Sie, indem Sie drei Begriffe einzeln vorgeben: „Grenze“, „Besuch“ und „Neuanfang“. Bitten Sie die Teilnehmenden, Gedanken, Erinnerungen oder Assoziationen zu nennen. Niemand muss eine persönliche Geschichte erzählen. Auch Sätze wie „Dazu fällt mir gerade nichts ein“ oder „Das war eine schwierige Zeit“ werden wertschätzend aufgenommen.
Passend zum Tag der Deutschen Einheit: Unser Zuordnungsspiel Bundesländer aus dem Exklusiv-Bereich verbindet Gedächtnistraining mit behutsamer Biografiearbeit und regt Gespräche über Heimat, Reisen und persönliche Erinnerungen an. Fragen Sie: „Welche Orte spielen in Ihrer Lebensgeschichte eine Rolle?“ Die Orte müssen nichts mit Politik zu tun haben. Es kann um Urlaubsziele, Arbeitsorte, Geburtsorte oder Familienbesuche gehen. So wird das Thema weiter und leichter zugänglich.
Für eine Verbindung aus Gedächtnistraining und Zeitgeschichte eignet sich ergänzend das Exklusiv-Material Gemeinsam durch die Zeitgeschichte. Das Zuordnungsspiel kann als Gesprächseinstieg genutzt werden, wenn die Gruppe Freude an Jahreszahlen, bekannten Ereignissen und gemeinsamem Erinnern hat.
Praxistipps für einen geschützten Rahmen
Kündigen Sie das Thema zu Beginn klar an und sagen Sie, dass niemand etwas Persönliches erzählen muss. Achten Sie auf Körpersprache, Pausen und Themenwechsel. Wenn eine Erinnerung sichtbar belastet, würdigen Sie den Beitrag und führen Sie die Runde wieder zu einem sicheren Punkt zurück, zum Beispiel zu Alltagsgegenständen, Musik oder Orten.
Planen Sie lieber wenige Fragen ein und lassen Sie mehr Zeit für einzelne Erzählungen. Biografiearbeit zum Tag der Deutschen Einheit darf leise sein. Eine kurze Erinnerung, ein gemeinsames Nicken oder ein Satz über die damalige Stimmung können wertvoller sein als eine vollständige Lebensgeschichte.
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