Spiele für Senioren: Warum unser Gehirn auch im Alter durch Spielen lernt

Kinder lernen in ihren ersten Lebensjahren hauptsächlich durch das neugierige Spielen und Entdecken. Neue Erfahrungen sorgen dabei für neue Vernetzungen im Gehirn und tragen so zur Hirnentwicklung bei. Diese Fähigkeit verliert sich mit dem Erwachsenenalter nicht: Auch ältere Menschen können von Spielen profitieren und mit ihnen ihr Gedächtnis fit halten. Denn wenn das Gehirn ausreichend stimuliert wird, können Nervenzellen bis ins hohe Alter nachwachsen.

Was passiert im Gehirn, wenn wir etwas lernen?

In jeder Sekunde verarbeitet unser Gehirn Informationen. Ein Großteil davon wird sofort wieder gelöscht, ein kleiner Teil schafft es in unser Kurzzeitgedächtnis. Was gespeichert wird, entscheidet das sogenannte limbische System. Dieses System bewertet, ob eintretende Reize wichtig oder unwichtig sind.

Auch aus dem Kurzzeitgedächtnis wird einiges wieder vergessen, der verbleibende Rest schafft den Übergang in unser Langzeitgedächtnis. Diese Inhalte merken wir uns auf Dauer – wir haben sie gelernt.

Bei der Geburt haben wir etwa 100 Milliarden Nervenzellen im Gehirn, die kaum miteinander verknüpft sind. Auf neuronaler Ebene werden beim Lernen neue synaptische Verbindungen gebildet. Synapsen sind die Schnittstellen, an denen Informationen in Form von Botenstoffen von einer Nervenzelle zur anderen weitergegeben werden. So entstehen zwischen den Nervenzellen über die Synapsen komplexe Netzwerke. Wenn beim Lernprozess viele Nervenzellen aktiviert werden, fällt es uns leichter, viele neue Verbindungen zu knüpfen.

Spielen und Lernen

In einigen Studien konnte mit bildgebenden Verfahren gezeigt werden, dass Spielen die Hirnaktivität verändert. Die neuronalen Netzwerke, die für das Spiel besonders gebraucht werden, zeigen eine sehr große Aktivität, während die Regionen für Angst und andere unangenehme Gefühle keine Aktivität zeigen. Wer spielt, lernt also frei und ohne Druck.

Außerdem wird beim Spielen nachweislich unser Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. Der Botenstoff Dopamin, der ähnlich wie Opiate wirkt, sorgt dafür, dass wir uns gut fühlen und uns freuen. Wissenschaftler sind sich einig, dass sich Inhalte besonders gut im Gehirn abspeichern, wenn man sich für sie begeistert und sie mit positiven Emotionen verknüpft.

Die Plastizität des Gehirns

Kinder bilden in den ersten drei bis vier Lebensjahren eine gigantische Zahl an neuronalen Verbindungen, und das nur, indem sie beim Spielen Lernen und Beobachten. Grundlegende physikalische Gesetze, Sprache, erstes Mengenverständnis – all das lernen kleine Menschen ganz nebenbei im täglichen Spiel.

Doch unser Gehirn ist kein Computerchip, bei dem sich die Verbindungen nicht mehr verändern lassen, wenn sie sich einmal gebildet haben. Die Netzwerke in unserem Hirn können sich immer wieder verändern, je nach Stimulation, die sie erhalten. Da unser Gehirn über viel mehr Neuronen verfügt, als wir eigentlich benutzen, ist es bis ins hohe Alter möglich, Neues zu lernen. Und wenn bestimmte Netzwerke zugrunde gehen (beispielsweise nach einem Schlaganfall), können andere Bereiche im Gehirn bei entsprechendem Training sogar die Aufgabe des zerstörten Gewebes übernehmen. Diese ständige Veränderbarkeit des Gehirns bezeichnet man als neuronale Plastizität.

Aufgrund dieser Eigenschaft unseres Gehirns ist es immer möglich, neue Verbindungen zu knüpfen, egal wie alt man ist. Und was für Kinder gilt, gilt auch für Senioren: Spielen bedeutet Lernen ohne Angst und Druck, macht Spaß und kann uns deshalb helfen, Inhalte schneller und besser abzuspeichern. Ideen für Spiele mit Senioren und Menschen mit Demenz finden Sie unter anderem in unserer Übersicht Spiele für alte Menschen.

 
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Quellen:

Kampfhammer, Josef P.: Plastizität im Nervensystem [online] https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/plastizitaet-im-nervensystem/9979 [abgerufen am 21.08.2021]

Wenger, E., & Lindenberger, U. (2017). Gehirnplastizität und das umgekehrte U: Zum Verlauf erfahrungsbedingter Veränderungen der Gehirnstruktur beim Menschen. Max-Planck-Gesellschaft Zur Förderung Der Wissenschaften e.V. https://doi.org/10.17617/1.4E

Ullmann, Edwin: Lernen aus neurobiologischer Perspektive [online] https://www.uni-wuerzburg.de/fileadmin/06000060/04_Fort-_und_Weiterbildungen_Lehrkraefte/Herbsttagungen/Herbsttagung_2016/20161006_WS_04_Neurobiologie.pdf [abgerufen am 21.08.2021]

Hüther, Gerhard: Neuroplastizität – Wie wir unser Gehirn ständig neu programmieren [online] https://www.hilfswerk.at/oesterreich/kinderbetreuungskompass/sicherheit-gesundheit-erziehung/spielen/neuroplastizitaet/ [abgerufen am 21.08.2021]

Jäger, Karl-Werner, and Roland Weiniger. “Silver Gaming–ein zukunftsträchtiger Baustein gegen altersbedingte Isolation.” Tagungsband 3 (2010): 26-27.

Weinberger, Sabine, and Helga Lindner. “Senioren und Spiel.” Faszination Spiel. Springer, Wiesbaden, 2020. 143-165.

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