Entspannungsrunden für Senioren. Löwenzahn und Pusteblume

In dieser Entspannungsrunde für Senioren stehen Löwenzahn und Pusteblumen im Mittelpunkt. Der Löwenzahn ist für viele eine schöne Symbolik unseres Lebenslaufs. Dafür, dass Veränderungen wichtig und nötig sind, und das Leben auch nach den Veränderungen weitergeht – anders aber auch anders schön. Wohin wir danach gehen wissen wir nicht. Davon haben viele nur eine Vorstellung. Dass wir das Leben hier aber in einer anderen Hülle verlassen als in der, in die wir hier leben, ist vielen – bewusst oder unbewusst – klar. Der Löwenzahn verändert sich und wechselt seine Hülle. Und fliegt am Ende in einzelnen kleinen zarten Wundern in den Himmel, um woanders wieder zu neuem Leben zu erwachen…

 



Materialien:

Entspannungsmusik

Löwenzahn und Pusteblumen (einige Pusteblumen, die im Verlauf der Entspannungsrunde nicht gepustet werden, können mit etwas Haarspray fixiert werden, dann können sie länger und besser angesehen werden)

Bilder und/oder Fotos von Löwenzahn in der Natur

 

Tonkarton in hellgrün

Korken

Acrylfarbe in gelb

Pappteller

 

Tücher in gelb, grün und weiß

Bereiten Sie den Raum für die Entspannungsrunde vor. Legen Sie die mitgebrachten Materialien auf den Tisch und nutzen Sie die Tücher, um den Tisch zu dekorieren.
Wählen Sie für Ihre Entspannungsrunde einen Raum, der möglichst ruhig ist (in dem also so wenig Störgeräusche wie möglich zu hören sind), eine Tür hat, die geschlossen werden kann und in den im besten Fall zwischendurch niemand hereinkommt. In manchen Einrichtungen ist das zum Teil schwierig zu realisieren, das ist uns bewusst. Sofern Sie aber die Möglichkeit haben, irgendwie Ruhe in Ihr Angebot zu bringen, nutzen Sie gerne das, was Ihnen zur Verfügung steht.

Einstieg

Entspannungsmusik

Begrüßen Sie die Senioren und laden Sie sie ein, mit Ihnen gedanklich eine Reise an einen ruhigen Ort zu machen. Alles, was schwer ist, darf für einen Augenblick beiseitegelegt werden. Warten Sie einen Moment, bis alle in Ruhe und bequem sitzen und ein wenig Stille eingekehrt ist. Beginnen Sie mit der Entspannungsmusik. Laden Sie die Senioren ein, der Musik zuzuhören und sich die mitgebrachten Materialien auf dem Tisch anzusehen. Lassen Sie die Musik etwa zwei bis drei Minuten laufen.

Lassen Sie sich im Anschluss erzählen, was die Senioren auf dem Tisch sehen. In Seniorengruppen, in denen dies nicht mehr möglich ist, beschreiben Sie als Gruppenleitung, was auf dem Tisch liegt. Begleiten Sie den Einstieg mit ein paar Fragen, aus denen sich Gespräche unter den Senioren entwickeln können.

  • Mögen Sie Löwenzahn? Mögen Sie Pusteblumen? Welches Stadium der Blume mögen Sie lieber?
  • Haben Sie sich früher als Kind etwas gewünscht, wenn Sie die Samen einer Pusteblume weggepustet haben?
  • Haben Sie Ihren Kindern bzw. Enkeln gesagt, dass sie sich mit den Samen einer Pusteblume etwas wünschen dürfen?
  • Haben Sie einen Garten gehabt und waren vielleicht nicht immer glücklich über Löwenzahn und Pusteblumen auf der Wiese?
  • Haben Sie Speisen mit Löwenzahn zubereitet? Wenn ja, welche? Wo haben Sie den Löwenzahn dafür gepflückt?
  • Gibt es Augenblicke oder Orte von früher, and die die Bilder oder Fotos erinnern?
  • Der Löwenzahn ist ein schönes Symbol dafür, dass sich Leben verändern kann und darf. Und dass wir am Ende auf eine Reise geschickt werden, bei der wir nicht wissen, wohin sie uns führt, wir uns aber in jedem Fall verändern… Wie sehen sich die Senioren den Löwenzahn unter diesem Gesichtspunkt an? Wer hat eine Vorstellung für diese Symbolik? Wer mag die Blume, weil sie eine für ihn so schöne Symbolik hat? Habe die Senioren eigene ähnliche Verbindungen zum Löwenzahn?

 

Wahrnehmungsanregungen

Laden Sie die Senioren ein, einige der folgenden Übungen zu machen. Wählen Sie die Übungen aus, die am besten zu den teilnehmenden Senioren passen. Fragen Sie zwischendurch, wie sich die Übungen anfühlen. Was sehen die Senioren, was riechen und schmecken sie. Woran erinnern die Gefühle, die Düfte, die Farben?

  • den Löwenzahn in die Hand nehmen und langsam drehen, vorsichtig über die Blütenblätter streichen
  • die Pusteblume in die Hand nehmen, den Stiel langsam zwischen den Fingern hin und her drehen, die Samen beobachten
  • die Samen der Pusteblume vorsichtig berühren
  • am Löwenzahn und der Pusteblume riechen
  • vorsichtig in die Pusteblume pusten, so dass sich nur ein paar der Samen lösen
  • kräftig in die Pusteblume pusten, so dass alle Samen ihren Weg in die Luft finden
  • mit den Samen der Pusteblume/den Blütenblättern des Löwenzahns über den Unterarm oder den Handrücken streichen

Motorik und Konzentration

Auch in Entspannungsrunden können kurze Konzentrationseinheiten integriert werden. Sofern möglich, lassen Sie die Senioren dafür beispielsweise

  • die Pusteblumen zählen
  • den Löwenzahn zählen, wie viele gelbe Blütenköpfe sehen die Senioren
  • alle Blumen auf dem Tisch zusammenzählen
  • jeweils abwechselnd in eine Reihe Pusteblumen und Löwenzahn legen

Löwenzahnwiese

Legen Sie den grünen Tonkarton in die Tischmitte. Geben Sie Acrylfarbe auf einige Pappteller, die Farbe kann gut geteilt werden, es benötigt nicht jeder Teilnehmende einen eigenen Teller. Verteilen Sie die Korken. Wenn nicht genug davon da sind, können auch diese mit den anderen Teilnehmenden geteilt werden. Bitten Sie die Senioren nun, den Korken in die Farbe zu tunken und damit auf der grünen Farbe ein paar Löwenzahnblüten zu stempeln. Laden Sie alle Senioren dazu ein und haben Sie ein Auge darauf, dass alle, die mitmachen möchten, auch die Möglichkeit haben, zu stempeln

Entspannungsgeschichte

Erklären Sie den Senioren, dass Sie sie in der Entspannungsgeschichte mit “Du” anreden, um eine größtmögliche Entspannung erreichen zu können. Laden Sie sie ein, gedanklich mit Ihnen auf eine Reise in die Natur zu kommen. Bitten Sie die Teilnehmenden, sich so bequem wie möglich hinzusetzen. Die Beine stehen nebeneinander auf dem Boden, der Rücken lehnt an der Stuhllehne. Die Arme dürfen locker im Schoß oder auf den Armlehnen liegen. Wer mag, darf die Augen schließen. Warten Sie vor dem Vorlesen einen Moment, bis es ruhiger geworden ist und alle bequem sitzen.

Stell dir vor, du bist an einem Ort in der Natur, an dem es dir gut geht. Um dich herum ist viel grün und eine angenehme Ruhe. Du fühlst dich wohl und atmest gleichmäßig ein… und aus. Ein… und aus. Ein… und aus. Du sitzt auf einem weichen Untergrund. Dein Rücken lehnt an einem Baum. Du spürst, wie die Anspannung aus deinem Rücken langsam immer weniger wird und dein Körper sich leichter anfühlt. Du gibst all die Schwere an den Baum hinter dir ab. Er trägt sie für dich. Du atmest tief und ruhig.

Vor dir liegt eine kleine Wiese, auf der an verschiedenen Stellen große, graue Steine liegen. Um diese Steine herum hat Löwenzahn seinen Platz gefunden. Du bewunderst die warmen Gelbtöne der vollen Blüten. Das strahlende Gelb vor den grauen Steinen sieht wunderschön aus und gefällt dir sehr gut. Du genießt das Bild für einen Augenblick und spürst eine tiefe Dankbarkeit in dir.

Die Luft um dich herum fühlt sich angenehm an. Auf deinen Armen spürst du einen sanften Hauch von Wärme, den ein paar Sonnenstrahlen auf deine Haut gezaubert haben. Du atmest ein… und aus. Ein… und aus. Ein… und aus. Ruhig und gleichmäßig.

Dein Blick schweift über das grüne Gras und die grauen Steine. Der Himmel hat einen wunderschönen Blauton angenommen. Ein paar kleine Schleierwolken ziehen ganz ruhig über dich hinweg. Du spürst eine tiefe innere Zufriedenheit. Es ist ein schöner Ort, an dem du dort bist. Du fühlst dich wohl und geborgen.

Nach einiger Zeit nimmst du einen hauchzarten Schimmer wahr, der vor dir in den blauen Himmel schwebt. Du siehst etwas genauer hin. Ein kleines Samenkorn einer Pusteblume hat sich auf den Weg gemacht und lässt sich von einem zarten Windhauch mitnehmen. Ob es weiß, wohin seine Reise geht? Du siehst ihm fasziniert hinterher und versuchst, es so lange wie möglich im Auge zu behalten. Du nimmst seine Leichtigkeit wahr und spürst, dass sich auch dein Körper immer leichter und freier anfühlt.

Dein Blick wandert nochmal über die Wiese und die Steine. Dort stehen noch mehr Pusteblumen, deren Samen im sanften Sonnenlicht schimmern. Einige der Blumen fühlen sich an den Seiten der Steine sehr wohl und sind in den Ecken gewachsen. Du fragst dich, ob sie es vielleicht mögen, sich zwischendurch an dem Stein anzulehnen.

Noch eine ganze Weile sitzt du an dem Baum und genießt dort die Ruhe und den Halt. Du spürst deinen Atem, der leicht und unbeschwert durch dich hindurchfließt. Du bewunderst das warme und kräftige gelb der Löwenzahnblüten. Du beobachtest die Samen der Pusteblumen, die ruhig und schwerelos im Licht der Sonne durch die Luft schweben.

Es geht dir gut. Du bist zufrieden, ruhig und entspannt. Du bist sicher gehalten und fühlst dich wohl.

 

Atemübung

Bitten Sie die Senioren, sich bequem hinzusetzen, die Beine stehen nebeneinander, die Unterarme liegen locker auf den Oberschenkeln oder den Armlehnen. Atmen Sie bewusst zusammen ein und aus. Beim Einatmen heben und öffnen Sie die Arme vor dem Körper. Atmen Sie durch die Nase tief ein und durch den Mund wieder aus. Wiederholen Sie die Übung mit den Senioren drei bis fünf Mal. Je nach Ressourcen der Teilnehmenden können sich die Arme bei jedem Einatmen ein wenig weiter öffnen.

Abschied

Verabschieden Sie sich von den Senioren. Bleiben Sie noch einen Moment mit ihnen in Kontakt und stehen Sie dafür bereit, schöne oder beschwerende Gefühle aufzufangen, die durch die Entspannung oder durch die Übungen aufkommende Erinnerungen wachgerufen werden.

Entspannungsgeschichten für Ihre Entspannungsrunden finden Sie auch in unserem Buch “Geschichten zum Entspannen”, das im Rahmen der Reihe SingLiesel Kompakt erschienen ist. Die Buchvorstellung dazu können Sie sich hier noch einmal ansehen.
In unserer Rubrik Einschlafgeschichten für Erwachsene finden Sie außerdem Geschichten zum Vorlesen, die ein zur Ruhe kommen ermöglichen sollen.

Gefällt Ihnen die Entspannungsrunde? Sind Sie auf der Suche nach weiteren Gruppenstunden für die Begleitung von Senioren und Menschen mit Demenz? Über aktuelle Entwicklungen aus dem Bereich der Seniorenarbeit und Ideen und Materialien für die Beschäftigungs- und Betreuungsarbeit informieren wir Sie hier!

Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin, Chefredakteurin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Annika Schneider finden Sie hier.

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