EmpaKom®: Sprache vereinfachen und trotzdem auf Augenhöhe bleiben

Erfahren Sie, wie Sie Ihre Sprache in schwierigen Alltagssituationen verständlicher gestalten können. Vereinfachte Sprache kann einem Menschen mit Demenz Orientierung geben. Sie kann aber auch bevormundend wirken und das Gefühl auslösen, nicht ernst genommen zu werden. Im EmpaKom®-Intensivlehrgang zur Kommunikationsfachkraft für Menschen mit Demenz lernen Sie, Ihre Worte an den Menschen und die jeweilige Situation anzupassen.
Wenn Sie neu in der Pflege oder Betreuung arbeiten, möchten Sie wahrscheinlich vieles gut erklären. Das ist verständlich. Doch lange Sätze können für einen Menschen mit Demenz schwer zu erfassen sein. Das gilt besonders dann, wenn mehrere Informationen auf einmal kommen.
Wenn ein Satz zu viele Informationen enthält
Stellen Sie sich vor, Sie möchten eine Person zum Essen begleiten. Gleichzeitig muss noch die Jacke geholt werden.
Sie könnten sagen: „Wenn Sie jetzt bitte schon einmal mitkommen würden, weil wir gleich zum Essen gehen und vorher noch Ihre Jacke holen müssen.“
In diesem Satz stecken mehrere Informationen. Die Person muss verstehen, dass sie mitkommen soll. Sie muss das Essen einordnen und gleichzeitig an die Jacke denken.
Eine mögliche kürzere Formulierung lautet: „Wir gehen gleich essen.“
Danach können Sie sagen: „Ich hole Ihre Jacke.“
Sie nennen damit nicht weniger wichtige Informationen. Sie geben sie nur nacheinander. Anschließend beobachten Sie, wie die Person reagiert.
Nur den nächsten Schritt nennen
Herr B. steht im Flur. Er wirkt unruhig und fragt mehrmals: „Was soll ich jetzt machen?“
Eine ausführliche Antwort könnte lauten: „Wir wollten gleich gemeinsam in den Speiseraum gehen, weil es Mittagessen gibt, und danach können Sie sich wieder ausruhen.“
Herr B. müsste mehrere Schritte aufnehmen. Er müsste verstehen, wohin es geht, warum es dorthin geht und was danach passiert.
Eine mögliche Antwort ist: „Es gibt jetzt Essen.“
Sie können ruhig in Richtung Speiseraum zeigen und ergänzen: „Ich gehe mit Ihnen.“
Herr B. bleibt zunächst stehen. Deshalb warten Sie einen Moment. Als er langsam losgeht, gehen Sie mit ihm. In dieser Situation passen der kurze Satz, die Geste und das gemeinsame Gehen zusammen.
Das bedeutet nicht, dass diese Formulierung immer funktioniert. Bleibt Herr B. weiterhin unruhig, braucht er vielleicht etwas anderes. Seine Reaktion zeigt Ihnen, ob Ihre Worte ihn gerade erreichen.
Konkrete Wörter statt unklarer Aussagen
Der Satz „Wir machen uns jetzt fertig“ kann verschiedene Dinge bedeuten. Vielleicht geht es um das Anziehen. Vielleicht steht ein Termin bevor. Möglicherweise soll die Person ihr Zimmer verlassen.
Sie können stattdessen den nächsten sichtbaren Schritt nennen: „Wir ziehen uns die Jacken an.“
Wenn es um das Frühstück geht, können Sie sagen: „Wir gehen zum Frühstück.“
Ein konkreter Satz kann die Situation leichter verständlich machen.
Eine Auswahl nach der anderen anbieten
Auch mehrere Wahlmöglichkeiten können schwer zu erfassen sein. Die Frage „Möchten Sie Tee, Kaffee, Wasser oder Saft?“ verlangt eine Entscheidung zwischen vielen Angeboten.
Sie könnten zunächst fragen: „Möchten Sie Tee?“
Lehnt die Person ab, können Sie eine weitere Möglichkeit anbieten: „Möchten Sie Wasser?“
Die Auswahl bleibt dadurch überschaubar. Gleichzeitig kann die Person weiterhin zustimmen oder ablehnen.
Vereinfachte Sprache kann auch problematisch sein
Menschen mit Demenz bleiben erwachsene Menschen mit einer eigenen Lebensgeschichte. Wenn Sie sehr kurze Sätze verwenden oder Ihre Stimme verändern, kann sich ein Mensch unterschätzt fühlen. Eine gut gemeinte Vereinfachung kann dann wie eine Belehrung oder eine kindliche Ansprache wirken.
Der Satz „Jetzt setzen wir uns schön hin“ ist leicht verständlich. Trotzdem kann er bevormundend klingen. „Setzen Sie sich gern hierhin“ ist ebenfalls klar, lässt der Person aber mehr Raum.
Auch ein sehr knapper Satz kann unangenehm wirken. „Jacke anziehen“ enthält nur die wichtigste Information. Die Formulierung klingt jedoch schnell wie ein Befehl. „Wir ziehen jetzt unsere Jacken an“ kann in derselben Situation freundlicher wirken.
Manche Menschen verstehen mehr, als ihr Gegenüber vermutet. Sie brauchen keine stark vereinfachte Sprache. Andere Menschen benötigen zwar kurze Sätze, möchten aber trotzdem erfahren, was gerade passiert. Dann kann eine knappe Aufforderung zu wenig sein.
Achten Sie deshalb nicht nur darauf, ob Ihre Worte verstanden werden. Nehmen Sie auch wahr, wie der Mensch auf Ihre Ansprache reagiert. Wirkt die Person verärgert, zieht sie sich zurück oder verbessert sie Sie, könnte Ihre Sprache gerade zu einfach oder zu bestimmend sein.
Vereinfachte Sprache ist keine feste Regel. Sie ist eine Möglichkeit. Entscheidend ist, ob der Mensch sich angesprochen, beteiligt und ernst genommen fühlt.
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