BDSM und die Altenpflegemesse 2021

Die diesjährige Altenpflegemesse fand online statt und abgesehen von ein paar technischen Problemen war es ganz praktisch, sich zwischen der normalen Arbeit einfach mal in einen Vortrag reinzuklicken. Etwas irritiert waren wir dann aber doch, als einer der Referenten sich selbst auf einem Foto mit einem Ring der O, ein Erkennungszeichen aus der BDSM-Szene, präsentierte. Wir haben kurz überlegt, ob es das gleiche ist, wie sich mit einem Regenbogenring zu präsentieren. Darüber hätte sich bei uns in der Redaktion keiner gewundert. Wir sind zu dem Schluss gekommen: Ist es nicht. Es geht nicht um eine sexuelle Orientierung. Es geht um sexuelle Präferenzen.

Warum macht man sowas eigentlich?

So bleiben wir ratlos zurück. Warum macht ein Referent das? Warum präsentiert er auf der Altenpflegemesse seine eigenen sexuellen Präferenzen. Möchte er nicht ernst genommen werden? Möchte er, dass die Zuhörer zu Hause amüsiert sind? Einige sind bestimmt auch abgeschreckt? Oder sucht er so verzweifelt nach einem oder einer Partner*in mit ähnlichen Vorlieben, dass er dafür die Altenpflegemesse als Forum nutzt? Wir hätten ein anderes Forum dafür gewählt und empfehlen ihm: Google hilft ihm bestimmt dabei, einen passenderen Ort zu finden, an dem er sich präsentieren kann. Wir nennen den Namen an dieser Stelle nicht. Es gibt ja auch noch die Möglichkeit, dass der Ring ein Erbstück ist und er gar nicht weiß, was er da trägt.

Wir sind der Meinung, jeder mache was ihm und dem Partner*in Spaß macht. Wir wollen es nur nicht bei jedem so genau wissen. BDSM wäre im Kontext der Altenpflegemesse spannend, wenn es um die Sexualität der Pflegebedürftigen und IHRE Bedürfnisse geht. Nicht um die Bedürfnisse der Pflegenden, Betreuenden oder Referierenden.

Unser Fazit: Das war irgendwie daneben.

Wie sehen Sie das? So ähnlich? Oder sind wir zu kleinkariert und diskriminierend? Intolerant?

 

 

 


Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin, Master of Arts "Alternde Gesellschaften", Gründerin von Mal-alt-werden.de. Bücher von Natali Mallek finden Sie hier. Fortbildungen mit Natali Mallek finden Sie hier.

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5 Antworten

  1. Edeltraud Gericke sagt:

    Also wenn er doch lediglich den Ring der O trägt hat das doch niemanden zu interessieren, die meisten wissen nicht mal was mit dem Thema anzufangen und ich geh mal davon aus das der Dozent es auch nicht zu einem Thema gemacht hat.
    Mittlerweile haben sich so viele Lifestyles und und Neigungen ect. in unserem Alltag integriert das ich es in der Tat woe soe selber gedsgt hatten : kleinkariert, diskriminierend Intolerant

    Das ist halt MEINE Meinung 🤷‍♀️

    • Natali sagt:

      Liebe Frau Gericke,

      als wir den Beitrag veröffentlicht haben wussten wir, dass die Meinungen dazu auseinandergehen würden. Ihre Meinung können wir sogar nachvollziehen und auf jeden Fall respektieren.

      Trotzdem möchten wir an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, dass wir keine Neigungen und keinen Lifestyle kritisieren. Unser Kritikpunkt ist die Selbstdarstellung in diesem Rahmen.

      Wir glauben allerdings auch, dass mittlerweile zwar auf keinen Fall alle, aber doch recht viele den Ring zuordnen können. Wenn man nach außen hin ein sichtbares Zeichen trägt und inszeniert macht man es, unserer Meinung nach, selbst zum Thema. Dafür muss man es nicht verbal ansprechen.

      Herzliche Grüße
      Natali Mallek

      • Edeltraud Gericke sagt:

        Ich finde trotz allem das der Ring keinen Anlass rechtfertigt sooo ein Aufhebens arum zu machen… und ich denke auch nicht das der Dozent seinen Job deshalb minder gut macht…

  2. Mona Breu sagt:

    Wow- ich könnte eine ganze Litanei dazu schreiben warum es niemanden etwas angeht, was ein Dozent für Schmuck trägt oder was er für sexuelle Präferenzen hat. Es gibt Studien die besagen, dass jeder zweite Deutsche einen Fetisch hat… Ich finde es schlichtweg diskreminierend und absolut inakzeptabel!!

    • Natali sagt:

      Liebe Mona,
      wir verstehen, dass du eine andere Einstellung hast. Wir möchten an dieser Stelle nochmal betonen, dass wir keine sexuelle Präferenz oder eine bestimmte Art von Fetisch kritisieren. Wir kritisieren das offene in Szene setzen, eines nach außen hin sichtbaren Hinweises auf EGAL WELCHE sexuelle Präferenz in diesem Rahmen.

      Deiner Anmerkung, dass es Niemanden etwas angeht welche sexuelle Präferenz ein Dozent hat stimmen wir voll zu.
      Herzliche Grüße
      Natali Mallek

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