EmpaKom®: Welche Bedürfnisse haben Menschen mit Demenz?

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Bedürfnisse Menschen mit Demenz haben können und wie Sie hinter einem Verhalten ein persönliches Anliegen erkennen.

Menschen benötigen mehr als körperliche Versorgung. Sie möchten sich sicher fühlen, Beziehungen erleben und über ihr Leben mitentscheiden. Auch Orientierung, Anerkennung und Ruhe sind bedeutsam. Eine Demenz verändert diese menschlichen Anliegen nicht. Sie kann jedoch erschweren, sie zu benennen oder selbstständig für ihre Erfüllung zu sorgen.

Im Online-Intensivlehrgang zur Kommunikationsfachkraft für Menschen mit Demenz lernen Sie, Verhalten genauer einzuordnen und individuelle Kommunikationswege zu entwickeln. Der EmpaKom®-Lehrgang findet vom 26. bis 30. Oktober 2026 live online statt. Die kleine Gruppe mit höchstens 14 Teilnehmenden bietet Raum für konkrete Fragen aus dem Berufsalltag. Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten Sie ein Fortbildungszertifikat.

Was steckt hinter einem geäußerten Wunsch?

Ein Wunsch benennt eine konkrete Vorstellung. Ein Mensch möchte beispielsweise seine Jacke anziehen und zur Tür gehen. Dahinter könnte das Bedürfnis nach Orientierung stehen. Vielleicht sucht die Person auch Sicherheit oder möchte selbst bestimmen, was als Nächstes geschieht.

Diese Unterscheidung ist für die Begleitung hilfreich. Nicht jeder Wunsch lässt sich unmittelbar erfüllen. Das zugrunde liegende Anliegen kann trotzdem aufgegriffen werden. Statt nur zu erklären, warum die Person das Gebäude gerade nicht verlassen kann, lässt sich prüfen, wodurch sie wieder mehr Sicherheit erlebt.

Marshall Rosenberg beschreibt eine konkrete Lösung als Strategie. Das Bedürfnis bezeichnet dagegen den inneren Beweggrund. Verschiedene Strategien können demselben Anliegen dienen. Umgekehrt kann hinter einer identischen Forderung bei zwei Personen etwas völlig anderes stehen.

Grundlegende Bereiche menschlichen Lebens

Manfred Max-Neef ordnet menschliche Bedürfnisse verschiedenen Lebensbereichen zu. Dazu zählen die körperliche Existenz, Schutz und Zuneigung. Weitere Bereiche betreffen das Verstehen, die Beteiligung und die Möglichkeit zur Erholung. Auch Identität, Freiheit und schöpferisches Handeln gehören dazu.

Für die Praxis ist entscheidend, dass mehrere Bereiche gleichzeitig berührt sein können. Lehnt eine Person eine Gruppenstunde ab, sucht sie möglicherweise Ruhe. Vielleicht fühlt sie sich in der Situation nicht sicher oder möchte eine eigene Entscheidung treffen. Die Ablehnung allein verrät noch nicht, welche Deutung zutrifft.

Vier psychische Grundbedürfnisse

Klaus Grawe beschreibt Bindung, Orientierung und Kontrolle, den Schutz des Selbstwerts sowie das Streben nach angenehmen Erfahrungen. Diese Perspektive macht verständlich, weshalb Veränderungen bei einer Demenz belastend wirken können.

Ein Umzug in eine Pflegeeinrichtung kann vertraute Beziehungen unterbrechen und die Orientierung erschweren. Die Abhängigkeit von Unterstützung kann außerdem den Selbstwert berühren. Zugleich kann das neue Umfeld Schutz und Entlastung bieten. Maßgeblich ist daher nicht eine allgemeine Bewertung, sondern das Erleben der einzelnen Person.

Personsein durch Beteiligung stärken

Tom Kitwood stellt das Personsein in den Mittelpunkt der Demenzbegleitung. Ein Mensch bleibt trotz kognitiver Veränderungen eine Person mit eigener Geschichte und Würde. Beziehungen können dieses Erleben unterstützen.

Das zeigt sich besonders bei alltäglichen Tätigkeiten. Möchte eine Person beim Falten der Wäsche helfen, muss die Aufgabe nicht vollständig übernommen werden. Eine Fachkraft kann den nächsten Schritt sichtbar vorbereiten und nur dort unterstützen, wo es nötig ist. So bleiben Selbstwirksamkeit und Beteiligung erhalten.

Bedürfnisse im Alltag behutsam erschließen

  1. Beschreiben Sie zunächst nur, was Sie wahrnehmen, ohne das Verhalten vorschnell zu bewerten.
  2. Nehmen Sie den ausgesprochenen Wunsch ernst und überlegen Sie, welches Anliegen dahinterstehen könnte.
  3. Wählen Sie eine kleine Reaktion, die dieses Anliegen unterstützen kann.
  4. Beobachten Sie, wie die Person reagiert, und verändern Sie Ihre Vorgehensweise bei Bedarf.

Eine vermutete Erklärung bleibt immer eine Arbeitshypothese. Die Reaktion des Gegenübers zeigt, ob eine angebotene Unterstützung hilfreich ist. Ein ruhigeres Gesicht oder die Bereitschaft zum Kontakt kann eine passende Richtung anzeigen.

EmpaKom® nutzt Bedürfnisse deshalb nicht als feste Kategorien. Sie dienen als Orientierung, um Verhalten offener zu betrachten. Der Blick richtet sich nicht allein auf das Problem, sondern auf das, was einem Menschen in diesem Moment wichtig sein könnte.

Im Online-Intensivlehrgang EmpaKom® vertiefen Sie diese bedürfnisorientierte Haltung und erproben passende Reaktionen für herausfordernde Situationen. So entwickeln Sie einen Kommunikationsbaukasten, der sich an der einzelnen Person orientiert.

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Quelle: EmpaKom®-Grundlagenbuch

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