EmpaKom® in der Praxis: Wenn ein Mensch mit Demenz erschrickt

Erfahren Sie, wie Sie reagieren können, wenn ein Mensch mit Demenz bei Ihrer Annäherung erschrickt oder sich zurückzieht. Gerade wenn Sie noch neu in der Betreuung arbeiten, kann Sie eine solche Reaktion verunsichern. Im EmpaKom®-Intensivlehrgang zur Kommunikationsfachkraft für Menschen mit Demenz lernen Sie, genau hinzuschauen und Ihren nächsten Versuch an der Reaktion des Menschen auszurichten.
Frau L. erschrickt
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Frau L. sitzt an einem Tisch. Sie möchten sie zum Waschen begleiten. Deshalb treten Sie von hinten an sie heran und sagen: „Kommen Sie bitte mit. Wir gehen zum Waschen.“
Frau L. erschrickt. Sie zieht ihre Arme an den Körper und bleibt sitzen.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was Sie falsch gemacht haben. Möglicherweise möchten Sie Ihre Aufforderung noch einmal wiederholen. Sie könnten auch versucht sein, Frau L. sofort zu erklären, dass sie keine Angst haben muss.
Sie müssen jedoch nicht sofort wissen, warum Frau L. so reagiert. Im ersten Moment ist nur sicher, dass sie erschrickt und sich zurückzieht.
Geben Sie der Situation einen Moment
Sie können zunächst stehen bleiben und abwarten. Damit nehmen Sie etwas Tempo aus der Situation. Frau L. muss nicht sofort auf eine weitere Aufforderung reagieren.
Vielleicht gehen Sie einen Schritt zurück. Beobachten Sie, was dann passiert. Wirkt Frau L. etwas ruhiger, kann der größere Abstand in diesem Moment hilfreich sein. Bleibt sie angespannt, wissen Sie zumindest, dass dieser Versuch die Situation noch nicht verändert hat.
Der Schritt zurück ist kein festes Rezept. Bei einem anderen Menschen kann Nähe angenehmer sein. Auch Frau L. kann morgen anders reagieren. Wichtig ist nur, dass Sie ihre Reaktion wahrnehmen.
Machen Sie sich sichtbar
Frau L. hat Sie möglicherweise nicht kommen sehen. Sie können deshalb langsam in ihr Blickfeld treten. Bleiben Sie mit etwas Abstand vor ihr stehen und begrüßen Sie sie ruhig: „Guten Morgen, Frau L.“
Warten Sie danach einen Moment. Hebt Frau L. den Blick, hat sie Sie wahrgenommen. Vielleicht schaut sie Sie an. Vielleicht bleibt ihr Blick nur kurz bei Ihnen. Beides zeigt Ihnen, dass sich etwas verändert hat.
Wendet Frau L. sich ab oder zieht sie ihre Arme noch enger an den Körper, kann Ihre Nähe gerade zu viel sein. Dann können Sie wieder etwas zurücktreten. Sie müssen den Kontakt nicht erzwingen.
Zeigen Sie, was Sie meinen
Wenn Frau L. Sie ansieht, können Sie ruhig zum Waschbecken zeigen. Dazu sagen Sie: „Wir gehen zum Waschen. Ich gehe mit Ihnen.“
Nun warten Sie erneut auf ihre Reaktion. Vielleicht folgt Frau L. mit ihrem Blick Ihrer Geste. Dann kann das Waschbecken für sie sichtbar geworden sein. Vielleicht bleibt sie sitzen und schaut nicht hin. Dann war diese Möglichkeit in diesem Moment möglicherweise nicht hilfreich.
Versuchen Sie nicht, aus dem Sitzenbleiben sofort eine Ablehnung zu machen. Sie wissen noch nicht, warum Frau L. nicht aufsteht. Bleiben Sie bei dem, was Sie wahrnehmen können.
Bieten Sie Ihre Hand an
Wenn Frau L. ruhig wirkt und Sie anschaut, können Sie ihr langsam Ihre Hand anbieten. Greifen Sie nicht sofort nach ihrem Arm. Halten Sie Ihre Hand so, dass Frau L. sie sehen kann.
Nimmt sie Ihre Hand, kann daraus ein gemeinsamer nächster Schritt entstehen. Zieht sie sich wieder zurück, nehmen Sie Ihre Hand zurück. Dann passt dieses Angebot gerade nicht.
Eine Berührung kann einem Menschen Sicherheit geben. Ein anderer Mensch erlebt dieselbe Berührung vielleicht als unangenehm. Deshalb zeigt Ihnen erst die Reaktion, ob Ihr Angebot in dieser Situation hilfreich sein könnte.
Sie brauchen keine fertige Lösung
In der Betreuung werden Sie immer wieder Situationen erleben, die Sie nicht sofort verstehen. Das ist kein Zeichen dafür, dass Sie Ihre Arbeit nicht gut machen. Sie müssen nicht für jede Reaktion direkt eine Erklärung finden.
Schauen Sie, was gerade passiert. Probieren Sie eine Möglichkeit aus und warten Sie auf die Reaktion. Danach können Sie neu entscheiden. Manchmal verändert sich eine Situation schnell. Manchmal bleibt sie schwierig. Auch dann dürfen Sie innehalten und erneut hinschauen.
Weitere Fachbeiträge zur Kommunikation mit Menschen mit Demenz erhalten Sie über unseren kostenlosen Newsletter.









