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Senioren mit Gedächtnistraining aktivieren


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Sabine Kelkel im Interview

Sabine Kelkel macht Gedächtnistraining mit Senioren

Hallo Frau Kelkel, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.
Ich bin gelernte Apotheken- und Arzthelferin, verheiratet und Mutter eines Sohnes. Zufällig wurde ich 2002 auf das Thema Gedächtnistraining aufmerksam und war sofort Feuer und Flamme.

Sie sind ausgebildete Gedächtnistrainerin. Was fasziniert Sie an dem Thema „Gedächtnistraining“?
Mich fasziniert vor allen Dingen die Vielfältigkeit des Gedächtnistrainings, denn es bietet nicht nur ein abwechslungsreiches, sondern auch ein sinnvolles und unterhaltsames Training für alle Bereiche unseres Gehirns. Die unterschiedlichen Wissensgebiete, die Methoden-Vielfalt sowie die zahlreichen Übungen bieten dabei sowohl älteren als auch jüngeren Menschen die Möglichkeit ihre geistigen Fähigkeiten zu trainieren sowie Neues zu lernen.



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Welche Bedeutung hat das Gedächtnistraining für Senioren?
Unsere grauen Zellen reagieren wie unsere Muskeln; halten wir sie nicht in Bewegung und Schwung, werden sie träge. Schnelles Denken fällt immer schwerer, die Konzentration lässt nach, Fantasie und Kreativität sinken.
Gedächtnistraining hilft den Alltag leichter zu bewältigen und dem natürlichen geistigen Abbau vorzubeugen.

Was muss man beachten, wenn man Gedächtnistraining mit Menschen mit Demenz machen möchte?

  • Einer der wichtigsten Aspekte meines Erachtens beim Gedächtnistraining mit Menschen mit Demenz ist: Alle Antworten sind richtig! Ein Korrigieren der Antworten führt zu Verunsicherung und schlimmstenfalls dazu, dass die betreffende Person gar keine Antworten mehr gibt. Denn meist sind es Wortfindungsstörungen die dazu beitragen, dass ein Thema verfehlt wird. Hier ist es für die betreffende Person hilfreich, die Kernaussage nochmals positiv zu formulieren, sozusagen die Lösung in den Mund zu legen.
  • Je spielerischer das Training stattfindet, desto eher ist ein Erfolg zu verzeichnen. Die Trainingseinheiten sollten am besten thematisch gegliedert und alltagsnah auf die Person oder Gruppe zugeschnitten sein.
  • So oft wie möglich mit realen Gegenständen arbeiten. Je weiter die Demenz fortgeschritten ist, desto konkreter muss das Übungsmaterial sein, da die Fähigkeit zum abstrakten Denken abnimmt.
  • Bei der geistigen Aktivierung möglichst alle Sinne mit einbeziehen, den Einsatz von Musik nutzen, so oft wie möglich motorische Elemente einbauen, Erfolgserlebnisse ermöglichen und auf eine große Schrift achten.
  • Um den Teilnehmern ein Stück Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, sollte man auf gleiche Rituale achten, z.B. am Anfang und Ende einer Übungseinheit.

Sie haben ein Buch mit dem Titel „Gedächtnistraining mit Senioren-Aktivierung leicht gemacht“ * veröffentlicht. Was erwartet die Leser?
Neben 5 Themenstunden enthält dieses Trainingsbuch erstmals auch 5 „gemischte Stunden“, die an kein Thema gebunden sind. Zu allen Stunden findet der Leser Übungen und Anregungen für ein Gedächtnistraining mit Menschen mit Demenz, für Ungeübte, d.h. Menschen die erste Erfahrungen mit Gedächtnistraining machen sowie für Geübte, also Menschen, die bereits regelmäßig ihr Gedächtnis trainieren. Die Übungen sind im Buch entsprechend gekennzeichnet. Zu Beginn eines jeden Themas findet der Leser einen Ablaufplan, der ihm eine Übersicht über die einzelnen Übungen und den damit verbundenen Trainingszielen gibt. Alle Übungen sind genau beschrieben und wo immer es angebracht ist, werden Gesprächsrunden empfohlen, so dass auch biografische Aspekte angesprochen werden können. Die Bewegung kommt ebenfalls nicht zu kurz und der Leser findet auch hierzu unterschiedliche Anregungen. Jeder Kopiervorlage schließt sich unmittelbar das Lösungsblatt an und es gibt viele schöne Bild- und Textkarten. Diese müssen z.B. bei der Arbeit in einer Senioreneinrichtung nur noch ausgedruckt und gegebenenfalls laminiert werden.
Vordergründig stand für mich bei der Entwicklung dieses Buches im Fokus, dass sich sowohl das Pflegepersonal als auch Betreuer oder Ehrenamtliche in Senioreneinrichtungen stets vor der Herausforderung gestellt sehen, unterschiedlichen Personengruppen bei der geistigen Aktivierung gerecht zu werden.
Die Übungen bzw. Materialien in diesem Buch sollen künftig die Gestaltung der Gedächtnistrainingsstunden erleichtern sowie den dafür notwendigen Zeitaufwand für die Vorbereitung verkürzen.
Selbstverständlich kann das Buch mit seinen vielfältigen Übungsmöglichkeiten auch im privaten Bereich genutzt werden, entweder zur eigenen geistigen Aktivierung oder bei der täglichen Pflege von Angehörigen.

Können Sie den Lesern von Mal-alt-werden.de vielleicht ein Übungsbeispiel für das Gedächtnistraining mit Senioren vorstellen?
Ja, gerne.
Ein Beispiel aus dem Buch ist die Übung: Was passt dazu?
Sie trainiert das assoziative Denken sowie die Wortfindung.

Für Menschen mit Demenz sowie ungeübte Teilnehmer kann diese Übung mündlich durchgeführt werden und die Antworten werden an einer Tafel oder einem Flipchart notiert. Die Teilnehmer stellen Gedankenverbindungen zu bestimmten Vorgaben her, z.B.

scharf: Messer – Auge – Senf…
dick: Kürbis – Buch – Milch…
falsch: Geld – Weg – Lösung…

Geübte Teilnehmer erhalten ein Arbeitsblatt, in dem diese zu verschiedenen Begriffen ein gemeinsames Bezugswort suchen, z.B.

Schiffbruch – Wochentag – Roman – Insel Lösung: Robinson Crusoe
Teppich – Venedig – Esel – turnen Lösung: Brücke
Maler – Glück – Futter – Wiese Lösung: Klee

Können Sie vielleicht eine kleine Anekdote oder eine Geschichte erzählen, die sie beim Gedächtnistraining mit Senioren oder Menschen mit Demenz erlebt haben?
In meinen Kursen lernen die Teilnehmer auch verschiedene Merktechniken kennen, mit denen wir das Kurzzeitgedächtnis sowie die Merkfähigkeit regelmäßig trainieren, aber auch die Fantasie/Kreativität sowie das bildhafte Vorstellungsvermögen anregen.
Eine Teilnehmerin hatte sich vehement gegen diese Techniken gewehrt, immer wieder betont, sie wolle diese in ihrem Alter nicht erlernen und sähe auch keinen Sinn darin. Entsprechend ablehnend bzw. desinteressiert hörte sie der Gruppe zu, wenn z.B. eine Einkaufsliste anhand der Loci-Technik gemerkt und Verknüpfungen hergestellt wurden. Eines Tages, als wir wieder eine entsprechende Übung durchgeführt hatten sagte sie plötzlich: „Also, Frau Kelkel, ich muss Ihnen jetzt mal was sagen. Nun bemühe ich mich schon über mehrere Wochen, diese Techniken nicht zu erlernen, denn ich will es ja eigentlich nicht und trotzdem weiß ich immer alle Antworten, ich kann einfach nichts dagegen machen“.
Nicht nur ich, auch die ganze Gruppe mussten bei dieser Aussage herzhaft lachen.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?
Für die Zukunft wünsche ich mir, noch mehr Menschen für das Gedächtnistraining zu begeistern und von jung bis alt ein Bewusstsein schaffen zu können, möglichst früh etwas für die geistige Fitness zu tun, um die vorhandenen geistigen Fähigkeiten so lange wie möglich zu erhalten und den natürlichen Abbau hinaus zu zögern.

Herzlichen Dank, Frau Kelkel!!!

 
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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften".

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Das Buch ist bestimmt sehr interessant, jedoch für 29,99 € nicht gerade preisgünstig, zumal es sich um ein Taschenbuch handelt (244 Seiten). Schade, dass Fachbücher immer so teuer sind.

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