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Eine 3 Minuten- Geschichte zum Thema “Mauerfall”


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Mama und Papa sind komisch, die Mauer ist weg und Geburtstag habe ich auch noch….

Hallo.
Mein Name ist Anna, ich bin 9 Jahre alt und wohne in Berlin. Ostberlin um genau zu sein. Mama sagt immer, es gibt noch ein Berlin. Hinter der Mauer.
So wirklich nah an die Mauer darf ich leider nicht. Wie gerne ich mal da drüber schauen würde. Nur mal kurz, einen kleinen Blick.

Mama sagt immer: “Anna! Du bist erst 9 und schon so neugierig.” Und ich denke mir dann: Na, von wem ich das wohl habe… .
Mama und Papa waren schon mal auf der anderen Seite der Mauer. Die Schwester der Schwägerin vom Onkel meines Papas besuchen, oder so ähnlich. Aber das interessiert mich eigentlich so gar nicht. Ich möchte nur wissen, was ist da, hinter dieser Mauer.

Warum es diese Mauer gibt habe ich den Papa mal gefragt und er antwortete nur “Ach Anna, dafür bist du noch zu klein”. Warum zu klein? Ich finde 1,29m schon ganz schön groß. Helen, meine beste Freundin ist nur 1,24m.

Mit meinen 9 Jahren mache ich mir schon viele Gedanken. Was ist hinter dieser Mauer und warum gibt es sie? Sind die Menschen dort vielleicht alle 2 Meter und Papa sagt deswegen “du bist zu klein” oder haben die Menschen dort alle Windpocken? Irgendwann werde ich es schon herausfinden.

Heute ist Montag. Morgen ist Dienstag. Übermorgen ist? Ja genau. Mittwoch.  Bald habe ich Geburtstag.

Noch 6 Mal Schlafen. Ja, genau am Sonntag.

Dann kommt die Oma und der Opa. Die Schwester der Schwägerin vom Onkel meines Papas kommt nicht. Die wohnt ja auf der anderen Seite der Mauer.

Ich wünsche mir am liebsten  eine Triola. Das ist so ein orangenes Teil mit Tasten. Damit kann man Musik machen. Helen hat auch eine.

Heute ist Donnerstag, der 9. November 1989. Nur noch dreimal Schlafen.

Mama war heute Mittag in der Stadt. Ich glaube sie hat mein Geschenk gekauft. Ich durfte nicht in ihre Tasche schauen.

Mama ist heute so komisch. So nervös und wie Papa manchmal sagt “neben der Spur”.  Und sie sagt auch immer wieder vor sich hin: Heute passiert noch was.. heute passiert noch was.

Nur was? “Anna, du bist zu neugierig… .” Ach Mama!

Ich schaue aus dem Fenster und fange wieder an nachzudenken. Was kann heute noch passieren?

Schneit es heute noch?… oder  bekomm ich vielleicht noch ein Geschwisterchen? Helen hat auch eins.

Ich werde heute keine Antworten mehr darauf finden. Ich muss nach dem Sandmännchen auch ins Bett, Mama und Papa bleiben wie immer noch auf. Sie reden heute ganz viel und heute ist Papa noch mehr “neben der Spur” als Mama. Eltern sind ja manchmal schon komisch.

Ich werde wach. Mitten in der Nacht.

Es ist noch dunkel draußen. Mama und Papa sind auch noch wach. Sie jubeln und freuen sich, aber warum? Ich stehe auf und schaue nach, auch auf die Gefahr hin, dass sie mich sofort wieder ins Bett schicken. Aber das tun sie nicht. Sie nehmen mich in die Arme, Papa macht sogar ein kleines Tänzchen mit mir und sagt immer wieder: “Die Mauer ist weg, die Mauer ist weg”.

Ich freue mich mit, weiß aber noch nicht so ganz warum. Ich weiß nur, dass ich endlich hinter diese Mauer schauen kann.

 

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