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Beschäftigungsangebote für Menschen mit schwerer Demenz. Der Bedarf steigt!


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Meine eigenen Erfahrungen und auch die Rückmeldungen, die ich von Lesern bekomme, haben mit die Beschäftigung von Menschen mit schwerer Demenz als Thema meiner Masterarbeit wählen lassen. Für viele Mitarbeiter in der sozialen Betreuung sind die Menschen mit schwerer Demenz eine besondere Herausforderung.

Kein individuelles Problem

Auch nach einem Blick in die Literatur bestätigte sich, dass die Gestaltung, Planung und Umsetzung von Beschäftigungsangeboten für Menschen mit einer schweren Demenz in Pflegeheimen kein individuelles Problem ist, sondern eine, mit zunehmender Tendenz, verbreitete Aufgabe. Im Zuge des demografischen Wandels und der damit verbundenen Zunahme von demenziellen Erkrankungen in der Bevölkerung, spielt die Versorgung von Betroffenen eine wichtige Rolle. An dieser Stelle folgen einige Zahlen und Fakten, die die Relevanz des Themas und die Dringlichkeit der Bearbeitung dieser Problematik verdeutlichen sollen. Es konnten vier wichtige relevanzsteigernde Faktoren herausgearbeitet werden.

Es gibt immer mehr Menschen mit schwerer Demenz

Ein erster Faktor für die zunehmende Relevanz des Themas, ist die steigende Zahl demenzieller Erkrankungen in der Bevölkerung. Die Anzahl der Menschen über 65 Jahre, die von Demenz betroffen sind, liegt in Deutschland bei circa 1,2 Millionen und jedes Jahr kommen ungefähr 200.000 Neuerkrankungen hinzu [Bickel 2005].

Mehr Menschen mit Demenz im Pflegeheim

Die steigende Anzahl von Menschen mit Demenz in stationären Pflegeeinrichtungen ist der zweite relevanzsteigernde Faktor. Im Jahr 2009 gab es in Deutschland rund 11.600 teilstationäre und stationäre Pflegeheime [Statistisches Bundesamt 2009]. Nach Bickel (2005) wird die stationäre Versorgung, auf Grund einer Abnahme von Betreuungspotenzialen in den Familien und einem gleichzeitigen Anstieg der Krankheitsfälle auf 2 Millionen bis zum Jahr 2050, weiter an Bedeutung gewinnen. Die Betreuung und Beschäftigung von Menschen, die in einer stationären Einrichtung der Altenhilfe leben, hat sich zudem in den letzten Jahren gewandelt. Während früher körperliche Einschränkungen und somatische Erkrankungen bei der Versorgung von Menschen in der stationären Altenhilfe im Mittelpunkt standen, ist die Anzahl der Menschen mit Demenz in Pflegeheimen mittlerweile auf etwa 65% angestiegen. Mit dem Schweregrad der Erkrankung steigt auch der Betreuungsaufwand [Sütterlin, S./ Hoßmann & Klingenholz, R. 2011]. Dies zieht nach sich, dass mit zunehmendem Schweregrad der demenziellen Erkrankungen weniger Erkrankte von Angehörigen versorgt werden können. Das führt dazu, dass ungefähr 80% der Betroffenen im Verlauf ihrer Erkrankung in eine stationäre Pflegeeinrichtung ziehen. Demenzielle Erkrankungen sind dadurch zu dem wichtigsten Grund für einen Einzug in ein Pflegeheim geworden [Bickel 2001].

Schwierigkeiten bei der Versorgung von Menschen mit schwerer Demenz

Bei dem dritten relevanzsteigernden Faktor geht es um die Schwierigkeiten, denen auch Pflegeeinrichtungen bei der Betreuung und Beschäftigung Menschen mit schwerer Demenz gegenüberstehen. Auch für stationäre Einrichtungen der Altenhilfe stellt die Versorgung von Menschen in einem weit fortgeschrittenen Stadium der Demenz eine besondere Herausforderung dar. Lebensqualität zu erhalten und Versorgungsqualität zu beurteilen, ist in den letzten Stadien der demenziellen Erkrankungen mit Schwierigkeiten verbunden [Coester, F. 2004]. Bei den Qualitätsprüfungen  der Pflegeheime durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen spielt die Zufriedenheit der Bewohner und ihre Bewertung der Einrichtung eine zentrale Rolle. Die Selbstbestimmung der Menschen mit Demenz steht immer mehr im Fokus der Öffentlichkeit und spielt, zum Beispiel durch die Transparenzkriterien des MDK, auch bei der Bewertung von Beschäftigungsangeboten in Pflegeheimen eine wichtige Rolle. In früheren Stadien der Demenz sind viele Betroffene noch dazu in der Lage, ihre Bedürfnisse, Wünsche und auch ihre Ablehnung von Dingen zu verbalisieren bzw. unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen [Renneke 2005]. Diese Fähigkeit schwindet im Verlauf der Erkrankung und die Menschen mit Demenz sind immer mehr darauf angewiesen, dass Angebote von Dritten (Pflegenden oder Betreuenden) an sie herangetragen werden.

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Mehr Beschäftigte im Bereich der sozialen Betreuung

Der letzte relevanzfördernde Faktor, der an dieser Stelle herausgearbeitet werden soll, ist der gestiegene Anteil der Menschen, die für die Betreuung und Beschäftigung in stationären Einrichtungen zuständig sind. Als Reaktion auf den steigenden Betreuungsaufwand von Menschen mit Demenz wurde durch den Gesetzgeber 2008 die Möglichkeit geschaffen, dass stationäre Pflegeheime zusätzliche Betreuungskräfte für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz einstellen können. Die Stellen werden komplett durch die Pflegekassen finanziert und die Aufgabenbeschreibung beinhaltet Aktivitäten wie Vorlesen, Spaziergänge, Kochen oder Tiere versorgen, die den Beschäftigungsangeboten zuzuordnen sind [GKV 2013].
Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die Anzahl der Menschen mit Demenz und vor allem auch der Anteil der Menschen mit Demenz in stationären Einrichtungen der Altenhilfe zunimmt. Mit dem Schweregrad der Erkrankung steigt der Bedarf an extrinsischen Beschäftigungsangeboten. Der Gesetzgeber hat darauf reagiert und der Anteil der Beschäftigten in Pflegeheimen, der für diesen Bereich zuständig ist, ist gestiegen. Gleichwohl entstehen bei der Schaffung von Angeboten für die Zielgruppe Probleme, denen auch stationäre Pflegeeinrichtungen gegenüberstehen. Hinzu kommt, dass die Lebensqualität der Bewohner in der Wissenschaft und bei Kontrollinstitutionen immer mehr in den Fokus rückt.

 

Literatur:

Bickel, H.(2005). Epidemiologie und Gesundheitsökonomie. In Walesch, C.W./ Förstl, H.(Hrsg.), Demenzen. Stuttgart: George Thieme Verlag.*

Statistisches Bundesamt(2009). Pflegestatistik 2009. Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung. Zugriff am 24.03.2012, von http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Fachveroeffentlichungen/Sozialleistungen/Pflege/PflegeDeutschlandergebnisse5224001099004,property=file.pdf

Sütterlin, S./ Hoßmann, I. & Klingenholz, R.(2011). Demenz-Report. Wie sich die Regionen in Deutschland, Österreich und der Schweizauf die Alterung der Gesellschaft vorbereiten können. Zugriff am 12.11.2013, von http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Demenz/Demenz_online.pdf

Bickel, H.(2001). Demenzen im höheren Lebensalter. Schätzungen des Vorkommens und der Versorgungskosten. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 34/2, 108-115.



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Coester, F.(2004). Qualitätsmessinstrumente in der Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz. Köln: KDA.

Renneke, S.(2005). Die Pflege dementer Menschen im Pflegeheim. Alles ist so still hier. Pflege, 58, 279-300.

GKV Spitzenverband(2013). Betreuungskräfte nach § 87 b SGB XI.. Zugriff am 24.11.2013, von http://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/beratung_und_betreuung/betreuungskraefte_nach_87_b_sgb_xi/betreuungskraefte_nach_87_b_sgb_xi.jsp

 

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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften". Autorin der Bücher Das große Praxisbuch - Gedächtnistraining für Senioren* und Lücken-Geschichten in Reimen: Pfannkuchen und Muckefuck*.

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