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3-Minuten-Vorlesegeschichte: Sonnenbrand und Quark


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Am Strand zu liegen, ein Buch zu lesen, das Meer im Hintergrund rauschen zu hören. Was gibt es schöneres? Ich finde: Nicht viel! Bei unserem diesjährigen Nordseeurlaub stimmte einfach alles!

Ganz untypischerweise für die Nordsee, verwöhnte uns sogar die Sonne. Ich schob bei meinem Sonnenbad die Träger des Badeanzugs etwas nach unten um mich hinterher an einer gleichmäßigen Bräune erfreuen zu können. Am Abend hatten wir uns mit entfernteren Bekannten, die wir zufällig im Urlaub getroffen hatten, verabredet. Ich freute mich schon darauf meine perfekt gebräunte Haut vorzuführen. Siglinde Mayer und ihr Mann waren nicht unbedingt unsere besten Freunde- ein bisschen arrogant, man könnte sogar sagen: Etwas aufgeblasen. Da wollte ich so gut aussehen wie möglich.

Der Krimi, den ich mir eingesteckt hatte fesselte mich sehr. Plötzlich fing der Kommissar an in meinen Träumen zu ermitteln.

Zwei Stunden später weckte mich mein Mann: Ich war einfach so eingeschlafen! Beim Aufstehen vernahm ich schon ein leichtes Ziehen auf meinem Rücken und ahnte Böses. In unserer Ferienwohnung angekommen erhärtete sich der Verdacht: Ich hatte einen ziemlichen Sonnenbrand. Ich spürte das Ziehen und Spannen bei jeder Bewegung. Die rote Farbe war nicht unbedingt der Teint, den ich mir vorgestellt hatte.

“Quark!” sagte mein Mann im überzeugten Tonfall.

“Quark?” fragte ich und fügte hinzu “Hunger, habe ich nun wirklich nicht.”

Mein Mann schüttelte den Kopf: “Du sollst den Quark nicht essen. Du sollst dich damit einschmieren: Das hat schon meine Oma so gemacht. Das hilft gegen den Sonnenbrand.”

Ich war etwas skeptisch, aber das die “After-Sun-Lotion” aufgebraucht war und wir von unserem Frühstück noch eine angefangene Packung Quark im Kühlschrank hatten, tauchte ich meine Hand beherzt in die weiße Masse und verteilte den Quark gleichmäßig auf meinem sonnengeschundenen Rücken. Kaum hatte ich den Quark verteilt, klingelte das Telefon und mein Mann ging dran:

“Haaalloooo, hier ist Siglinde” hörte ich es durch das Telefon flöten “bleibt es bei heute Abend?”



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Ich gab meinem Mann mit deutlichen Handzeichen und Kopfschütteln zu verstehen, dass ich für das Treffen am Abend nicht zur Verfügung stand.

“Ähhh, nein. Wir können leider doch nicht essen gehen.” Sagte dieser und ich atmete erleichtert ein.

“AAAber Kinder, ihr müsst doch etwas essen!”

“Äähh, ja. Wir essen…. Quark…. wir haben noch so viel da… Tonnen an Quark… das ist uns bei dem sommerlichen Wetter lieber als ein schweres Essen.”

“OOhhh, ja da hast du natürlich recht. Ach, weißt du was? Dann kommen wir zu euch in die Ferienwohnung! Ein sommerlich leichter Quark ist mir auch lieber als ein schweres Essen. Und wenn ihr so viel davon habt! Bis gleich, tschüss.” Meine Augen waren panisch geweitet und meinem Mann stand der Mund offen.

 

Und so kam es, dass ich mir den Quark vom Rücken abkratzte und mein Mann frischen Quark einkaufen ging.

 

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*
So ein schöner Tag: Vorlesegeschichten für Menschen mit Demenz*






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Natali

© by Natali Mallek. Dipl. Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin, Gedächtnistraininerin (BVGT) und Master of Arts "Alternde Gesellschaften".

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