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10 gute Gründe für Ergotherapie bei Menschen mit Demenz


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Menschen, die an Demenz erkrankt sind, wird von Fach- oder Hausärzten oft Ergotherapie verschrieben. Doch was macht die Ergotherapie bei dieser Erkrankung? Demenz ist doch nicht heilbar, warum dafür eine Therapie?

Das stimmt, die primären Demenzerkrankungen sind nach heutigem medizinischen Wissen nicht heilbar. Wir können aber versuchen, den Fortschritt der Erkrankung zu verlangsamen und die Einschränkungen und das Leiden des Krankheitsverlaufs zu vermindern.

Um Betroffenen, Fachpersonal und Angehörigen die Ergotherapie bei Menschen mit Demenz näher zu bringen habe wir 10 gute Gründe dafür zusammengestellt…



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  1. Körperwahrnehmung

    Die Fähigkeiten, den eigenen Körper mit seinen Bewegungen und Grenzen wahrzunehmen nimmt im Verlauf einer Demenzerkrankung stetig ab. Zu Beginn kann der Patient mit viel Bewegung und körperlicher Aktivität unterstützt werden, sich selbst zu spüren. Wenn selbstständige Bewegungen nicht mehr möglich sind, werden durch Ergotherapeuten Spürinformationen von außen vermittelt, z.B. durch Stimulation mit unterschiedlicher Druckintensität, wechselnden Temperaturen, durch unterstützte Bewegungen, in Decken und Kissen eingefasste Gewichte und basale Stimulation.

  2. Selbstständigkeit

    Der Verlust der eigenen Selbstständigkeit ist für Menschen, die an Demenz erkrankt sind und auch deren Angehörige meist das Schlimmste am Krankheitsverlauf. Zu Beginn nehmen die Betroffenen diesen Verlauf sehr bewusst wahr und leiden darunter. Die Ergotherapie unterstützt Menschen mit Demenz, indem sie die Selbstständigkeit so lange wie möglich erhält und sensibel beobachtet, wie viel Unterstützung, und in welcher Form, die Betroffenen brauchen, um so lange wie möglich alleine zurecht zu kommen. So wenig wie möglich – so viel wie nötig. Mit Demenz möglichst lange selbstständig leben vermindert zudem das Risiko, an einer Depression zu erkranken.

  3. Kommunikation

    Ein weiteres Ziel der Ergotherapie bei Patienten mit Demenz ist die Fähigkeit zu kommunizieren. Im Verlauf der Erkrankung nehmen die Möglichkeiten der sprachlichen Kommunikation ab. Zu Beginn ist es wichtig, die Sprache anzuregen und das Sprechen zu fördern. Im fortgeschrittenen Stadium werden Wege und Möglichkeiten gefunden, die nonverbale Kommunikation zu stärken. Daneben ist es besonders wichtig, den Betroffenen regelmäßig durch Sprechen und Vorsingen zu aktivieren und ihnen, wenn nicht kontraindiziert , die Teilhabe an der Gemeinschaft zu ermöglichen.

  4. Orientierung

    Die Ergotherapie unterstützt Menschen, die an Demenz erkrankt sind, dabei, sich zeitlich, örtlich und zur Person besser und so lange wie möglich zu orientieren. Das hilft den Betroffenen möglichst lange den Bezug zur Außenwelt und zur Realität zu behalten und stärkt insbesondere das Selbstvertrauen.

  5. Langzeitgedächtnis

    Da die Fähigkeiten, die das Kurzzeitgedächtnis betreffen, bei einer Demenzerkrankung im Verlauf immer mehr abnehmen, ist es wichtig, das Langzeitgedächtnis zu stabilisieren. Das bedeutet unter anderem viel Biografiearbeit, Geschichten von früher, Fotos, Bilder…Umfangreiches Wissen über die Biografie der Patienten vereinfacht zudem die Therapie im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung wenn eine verbale Kommunikation nur noch eingeschränkt möglich ist und die kognitiven Fähigkeiten weiter abnehmen.

  6. Selbstwertgefühl

    Die Stärkung des Selbstwertgefühls ist in der Therapie von Menschen mit Demenz eines der wichtigsten Ziele. Die Betroffenen leiden immens unter dem Verlust der Selbstständigkeit, dem Bezug zur Realität und zur eigenen Persönlichkeit. Sie merken zu Beginn der Erkrankung ganz bewusst, dass die Erinnerungen an ihr eigenes Leben, an ihre Familie, an Erlebnisse schwinden und sie sich in ihrer Umgebung immer schlechter zurecht finden. Das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wie man Kaffee kocht, wenn man das ganze Leben lang die Familie versorgt hat, ist für uns wohl kaum zu beschreiben. Diesen Menschen bis zum Schluss ihres Lebensweges Würde und Anerkennung zu schenken, und ihnen zu zeigen, dass man sie wertschätzt, sind essentielle Grundlagen der Behandlung und Betreuung.

  7. Soziale Interaktion

    Die Fähigkeiten, sich in sozialen Strukturen und Gruppen zurecht zu finden schwinden ebenfalls im Verlauf einer Demenzerkrankung. Wie schnell und ob sich dies eher durch Rückzug oder agressives Verhalten äußert, ist abhängig davon, welche Form der Demenz vorliegt und wie sicher die Betroffenen früher im Umgang mit anderen Menschen waren. Die Ergotherapie unterstützt die Menschen, sich in soziale Kontakten sicherer zu fühlen und somit auch der Isolation vorzubeugen. Dabei achtet sie sorgfältig darauf, die Betroffenen nicht zu überfordern und die Wünsche nach ‘Alleinsein’ zu respektieren. Manchmal reicht schon eine Beziehung zu einer Bezugsperson völlig aus.

  8. Sinneserfahrungen

    Sehen, hören, schmecken, riechen, tasten…Unsere Sinne sind unterschiedlich ausgeprägt und werden durch unterschiedlichste Reize aktiviert. Leider schwindet die Qualität der Sinne im Verlauf unseres Lebens, so auch bei einer Demenzerkrankung. Doch nicht alle Sinne sind gleich eingeschränkt. Die Ergotherapie fördert durch die Vermittlung von Sinnesreizen die Aktivitäten im Gehirn. Zudem wird geschaut, welche Sinne gefördert werden können, um verloren gegangene Fähigkeiten zu ersetzen.

  9. Biografie

    Die Biografie ist das, was die Menschen, mit denen wir arbeiten, ausmacht und was sie in ihrem Leben geprägt hat. Neben der Stabilisierung des Langzeitgedächtnisses, auf das wir in Punkt 5 schon einmal eingegangen sind, ist die Biografie der Menschen mit Demenz das, auf was wir in der Therapie am besten und häufigsten zurück greifen. Die aktuelle Generation der Menschen mit Demenz ist im Krieg aufgewachsen oder hat ihre Kinder in der Zeit groß gezogen. Viele Frauen waren in dieser Zeit alleine weil die Männer im Krieg waren oder haben ihre Männer dort sogar verloren. Männer haben ihre Familien verloren, Kinder ihre Eltern…Später waren die Männer viel arbeiten um ihre Familien zu ernähren, die Frauen haben versucht, mit dem was sie hatten, ihre Kinder groß zu ziehen. Vieles, insbesondere die Gefühle, können wir uns nicht annähernd vorstellen – wir sollten aber wissen, dass es diese bei unseren Patienten gab, um sie auf ihrem Weg mit der Demenzerkrankung gut begleiten zu können.

  10. Angehörige

    Die Arbeit mit Angehörigen ist in der Therapie von Menschen mit Demenz ein wichtiger Faktor. Einerseits können wir den Angehörigen viele Tipps für den Umgang mit ihren Familienmitgliedern geben und Verhaltensweisen und Krankheitssymptome erklären. Andererseits können sie uns auch wichtige Informationen über den Patienten geben, z.B. wenn dieser es aufgrund eines fortgeschrittenen Krankheitsstadiums nicht mehr selbst kann. Der Kontakt zu Angehörigen ist, auch wenn er manchmal nicht ganz leicht ist, in der Therapie von Menschen mit Demenz wichtig.

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Annika

© by Annika Schneider. Staatlich examinierte Ergotherapeutin.

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